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Triadische Tragödie als Ur-Mythos (i.p)

In der psychotherapeutischen Praxis steht die Suche nach dem Gelingen des Seins stets auf der Kippe. Die Sorgen und Nöte unserer Klienten sind schwerwiegend und wollen uns oft selbst befangen machen im Wirken von Übertragung und Gegenübertragung. Zwar versuchen wir Therapeuten uns methodisch zu schützen in sorgenvoller Abgrenzung zum jeweiligen Leid der Hilfesuchenden. Dennoch: das Leid selbst muss "durchbrechen", denn wie sonst ließe sich Leid begreiflich  machen? In gewissen Sinne werden Therapeuten angesprochen durch das Leiden anderer; Experten sind sie jedoch nur aufgrund eigener Leidensfähigkeit, und - trotz gegenläufiger Bestimmungen - deshalb Seelsorger. Seelsorger Anderer, gleichzeitig immer aber auch der ihrer eigenen Versehrtheit. Damit Leid zu (Mit)Leid werden kann, muss es zunächst seine Wirkung entfalten. Aus einem zunächst banalen "Spiel" erhebt sich die Sorge um das Sein zu einer Art Mythologem, das aus der Tiefe von Gefühlslagen konstitutiv Wesentl...

Über den Sinn der alten Schriften

"Im Anfang war das Wort". Es gibt wohl keinen Satz, der dem gesprochenen und aufgezeichneten Wortsinn mehr Wahrheitssinn verleihen könnte. Einschränkend muss allerdings hinzugefügt werden: dieser "Wahrheitsinn" betrifft nicht naturwissenschaftliche Erkenntnis. Allein das Sinnieren über Gesprochenes oder Geschriebenes an sich soll hier betrachtet werden, konkret hier als Möglichkeit der Bibelexegese, im weiteren Sinne jedoch auch jedweden "Sinngehalts in Wort und Schrift". Wir haben es dem französischen Jesuiten Henri de Lubac, einem der Begründer der Nouvelle théologie, einer französischen Aufbruchstheologie nach dem Zweiten Weltkrieg, zu verdanken, dass wir dem Sinn des Wortes einen tieferen "Deutungsrahmen" zubilligen können ( weiteres zu Henri de Lubac ). Es geht um das Verständnis von Geschichte, nicht allein in kritisch-historischer Betrachtung, sondern in einem "Vierfachen Schriftsinn", wie dies de Lubac bezeichnet. Er postuliert,...

Der stete Wandel; ein Zeichen göttlichen Mysteriums?

Jeden Morgen füllt sich der Raum christlicher Kirchen vom Chorgestühl aus durch Gesänge dort im Wechsel sitzender oder stehender Mönchen und Nonnen. Pünktlich ertönen ihre Stimmen zum Invititorium (lat. Einladung) und beginnen somit den Tag. Mit einem ewig gleichen Ablauf wird der Tag liturgisch nach Horen (Stunden) geteilt, festgeschrieben im sogenannten Stundenbuch. Das Invititorium ist somit das erste Gebet des Tages, das gemeinschaftlich zelebriert wird. Im Laufe der Geschichte des Christentums und seiner zahlreichen Konfessionen haben diese Riten vielerlei Ausprägungen und Veränderungen erfahren. Eine Konstante allerdings bleibt, wie das Wort bereits sagt, unveränderlich. Der geregelte Ablauf dient der Verherrlichung Gottes durch die Gebete der Gläubigen. Menschen moderner, aufgeklärter Gesellschaften scheint dieser Ablauf je nach Befindung folkloristische Tradition oder aber nach wie vor sinnstiftende Kultur. Unabhängig davon scheint die Strukturierung des Tages ein...