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Posts mit dem Label "Briefe an Freunde und Familie" werden angezeigt.

Zustand und Wahrheit - eine Unterscheidung

Lieber XXX, danke für die höchst amüsante Darstellung Deiner aktuellen "Befindlichkeiten"; gewohnt schwungvoll, witzig, durch das Ausholen in die Narrative unserer gemeinsamen Jugendjahre verbindend und verbindlich reüssierend. Und doch scheint mir durch diese Ironisierung hindurch ein wenig auch Wehmut und zeitliche Verklärung mitzuschwingen. Nun ja, das beginnende Alter. Zipperlein, die uns plagen. Auch mich haben sie bereits mit Macht in Händen, in Form erheblicher Eintrübungsschüben an Sehkraft links (das einzige Auge, das mich in der Vergangenheit sehen ließ), tiefes dauerhaftes Brummen im Gehör rechts, spontaner, aggressiver Ausfall, in ganzen Büscheln, meiner Kopfbehaarung im vergangenen Monat. Was will mir das sagen? Was will es uns sagen? Nun, wohl nichts anderes als: Dein Weg hier auf Erden geht - hoffentlich in ruhigem, gemächlichem Gang - seinem Ende zu. Es wird allmählich Zeit, dieser Wahrheit ins Auge zu blicken. Ich habe unlängst irgendwo den Satz gelesen, ...

Brief an XXXXXXX

Liebe XXXXXXX, gestern feiertest Du Deinen Geburtstag. Dazu möchte ich Dir nachträglich ganz herzlich gratulieren und Dir von Herzen Glück und Erfolg für Dein weiteres Leben wünschen. Vermutlich wird es Dich überraschen, dass ich mich nach so vielen Jahren Schweigen wieder bei Dir melde. Ich würde es sehr wohl verstehen, solltest Du nichts mehr wissen wollen von mir; allzusehr lastet mein ungehöriger, mit keiner Silbe erklärter und plötzlicher Beziehungsabbruch von damals. Ich kann auch nichts erklären, was akzeptabel wäre; allein ich kann Dich nur bitten, mich nach dieser langen Zeit wieder anzuhören Ich weiß ja nicht einmal, ob es Dich noch gibt? Ob Du die Wohnung in der Waldstraße noch Dein eigen nennst? In welchem Teil (oder Teilen) der Welt Du heute Zuhause bist. Ich habe mir ein neues Leben erst mühsam aufbauen müssen, indem ich das alte komplett verwarf; war es doch sehr auf, nun ja, nennen wir es beschönigend, "Ungereimtheiten" aufgebaut. Ich bin in dritter Ehe jetzt ...

Flüchtiges Leben

Lieber Ul(r)i(ch), nachdem ich lange Zeit nicht mehr wusste, wo mir der Kopf stand, in meiner Bedrängnis, Dich "angemessen" anzusprechen, ob jovial mit dem naiv-kindlichen Diminuitiv 'Uli" oder besser rational-erwachsen mit Deinem Taufnamen "Ulrich; mit dem Herzen wohl ersteres, mit zweiterem respektvoll, aber auch distanzierter. Insofern gefällt mir der Vorschlag Deiner Unterschrift Ul(r)i(ch) sehr. Die Vertrautheit, mit der wir uns als Jugendliche begegneten ist vergangen, jeder Versuch diese Vertraulichkeit wiederzufinden oder neu einzuführen wird wohl scheitern müssen. Zu sehr wiegt die zeiträumliche Distanz, in der wir uns wiedergefunden haben. In Jugendzeiten rüpelhaft-burschikos-körperlich müssen wir jetzt auf anderen Ebenen und neuen Kanälen kommunizieren. Immer noch trage ich schwer am fehlenden Verantwortungsbewusstsein gegenüber uns Heranwachsenden in jener Zeit, die ich so nicht weiter zu verherrlichen vermag, andererseits aber aus meinem Herzen kein...

Brief an XXX

Liebe XXX, Das Wiedersehen mit Euch wirkt bei uns weiter nach. Es war viel zu kurz und viel zu schön um wahr zu sein. Melitta (und vielmehr noch Dein XXXX?) schienen dennoch auch zutiefst verunsichert zu sein. Deren Beklemmnis war förmlich greifbar. Für uns alle. Dem waghalsigen Einsatz von Heinz' Sprechfreude und einigen Glaserln Schnaps haben wir es wohl zu verdanken, dass sich Euer Bleiben bis in den Morgen hin ausgedehnt hat. Für Deinen XXXX muss es sich wie eine "Feuerprobe" angefühlt haben. Eineinhalb Jahre Schweigen haben mehr als deutliche Spuren hinterlassen und vergehen unendlich langsam für eine Mutter, der nur noch ein Sohn verblieben ist. Dieser Umstand zeigt - uns Alten jedenfalls - die blanke Dramatik, die sich ausgerechnet zu Weihnachten zugetragen hat.  Ich werde ein wenig ausholen müssen, wie dies heute schon recht zu einer Unart geworden zu sein scheint: ich hoffe jedoch auf dein Wohlwollen! Aber mir und der mir alles lieben XXXXXXX wäre jeder unterblie...