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Respekt und Toleranz

Es ist viel über Respekt und Toleranz gesprochen. Man hört, es gehöre irgendwie (zum gelingenden Leben), sich tolerant und respektvoll zu verhalten. Diese Begriffe zeugen von unserem Bemühen, als Individuen, als Gruppe, als Gesellschaft, Anderen mit mehr Wertschätzung zu begegnen.  Dieses Bemühen ist  Ausdruck einer postkolonialen und antifaschistischen Aufklärungsbewegung in einer freien, global gedachten Welt. Respekt und Toleranz. Werfen wir einen kurzen Blick auf die Etymologie dieser Begriffe. Unter dem Suchwort "Respekt" findet sich auf Wikipedia: (lat.  respectio " Rückschau, Einschätzung, Betrachtung") " Wieder-Schau" als wörtliche Übersetzung des lateinischen respectio bezieht sich auf die wiederholte Betrachtung und gründliche Beurteilung eines neuen Eindrucks, um die Begrenztheit und Oberflächlichkeit des ersten Blickes zu korrigieren. Erst nach kritischer Würdigung des ersten Eindrucks gelangt man zu einer anerkennenden Einschätzung und da...

Ein Plädoyer für mehr... "Schmutz"?

"Das Leben lebt. Wir sind mal unten, mal sind wir oben", lautet es richtig und weise aus einem christlichen Gebet. Das Leben will gelebt werden. Verständlicherweise suchen wir stets das Beste für uns. Der Glanz, der von uns ausgeht, fällt auf uns zurück. Die Anerkennung anderer tut uns gut. Die (unhinterfragte) Liebe, die wir zu schenken bereit sind, bereichert unser Leben. Schwieriger wird es, wenn wir für unser Leben bewundert werden. Wenn unser Selbst größer sein soll, als es tatsächlich sein kann. Neid, Missgunst, Hass werden rasch Begleiter des schönen Selbst. In alle Richtungen. So könnte man die Vertreibung aus dem Paradies ausdeuten mit einer Ausformung des dualistischen Denkens. Würde man eine nomadische Lebensart eher vergesellschaften mit einem Aufgehobensein in einer geschöpften Natur, so widersetzt sich der moderne, sesshafte Mensch dieser. Er will mehr. Nicht die quälende Abfolge von Jahreszeiten, Tag und Nacht, der Veränderung im Aussen der Natur ist sein Begeh...

Der Künstler will Lebenskunst

Die Kunst ( griech. τέχνη téchne )  bedeutete in der ursprünglichsten Form wohl einmal: Technik, Leben zu meistern. Im Laufe der Zeit hat die Bedeutung des Wortes einen wesentlichen Wandel erfahren. Kunst wird modern nicht nur als etwas Gegensätzliches zur Natur betrachtet, sie hat spätestens mit dem Ausklang der Romantik einen fast metaphysischen Charakter erhalten. Sie ist in der höchsten Form Ausdruck eines fast gottgleichen Wollens und Könnens des Künstlers.  Der Künstler - so könnte man überspitzt formulieren - nimmt dabei die Rolle des Hohepriesters ein, der mit seinem Vermögen die Herrlichkeit seiner Kunst und deren Abschauung feiert. Kehren wir zum Ursprung des Wortes zurück. Das Leben meistern. Jeder Mensch ist zur Kunst aufgerufen. Zur ganz persönlichen. Berufswahl, Beziehungen, Denken, Wissen und Moral.  Modernes Denken sucht die Vielfalt im Leben. Und zeichnet somit die Spur der Evolution nach. Das Geistige in der Natur soll sich in (Lebens)Kunst nachvol...

Haus der Träume

Der Architekt hat es wirklich schwer. Er muss bauen. Muss Erzählungen lauschen. Innenliegenden Träumen den Weg zur Welt offenlegen. Architektur ist vom Wesen her Hebammenkunst.  Was sich so leicht liest ( altgriechisch  ἀρχιτέκτων architékton „oberster Handwerker, Baukünstler, Baumeister“; aus ἀρχή  arché „Anfang, Ursprung, Grundlage, das Erste“ und τέχνη téchne „Kunst, Handwerk“), ist höchste Kunst.  Der wahre Architekt verinnerlicht Träume sosehr vom Ursprung her, dass seine Hand zu skizzenhaftem Tun geführt wird. Damit daraus sich planbares Gut entwickle und dieses sich in vielen kleinen Schritten schließlich in Material gießen ließe. Was sich in der Natur über sehr lange Zeiträume in großartige fast idente Abläufe eingeprägt hat, ist bei der Geburt von Träumen und deren Wandlung in ein Haus allerhöchstens künstlerisches Schaffen. Die Geburtswehen daher heftig. Das "Kind" ist fremd. Riecht neu. Fehler zuhauf. Mühen wie Geld verbrannt. Träume zerstört. De...

Lebensmut und Todesangst

Du sagst: es gibt kein Richtig und kein Falsch! Daher sei es klug, zwischen Dingen zu vermitteln. Kompromisse zu suchen. Gelegenheiten abzuwarten. Abzuwägen. Auf passendes  Gut zu warten. Ich nenne diese Haltung Angst. Kompromisse suchen? Angst vor Entscheidung. Gelegenheiten abwarten? Angst vor dem wirklichen Leben. Abwägen? Angst auf Kleingeist gegründet. Leben heißt: Wagnisse eingehen. Mut zur Konsequenz. Vertrauen ohne vorheriges Abwägen. Losstürmen mit geschlossenen Augen. Unbekanntes zulassen.  Den ersten Schritt - ohne zu wissen - einfach wagen. Wie es jedes Kind voll Vertrauen tut. Gehe den zweiten Schritt. Den dritten. Dann erst öffne die Augen. Du wirst sehen; schon bist du dort, wohin allein deine Träume dich zu geleiten wagten.  Leben heißt Mut zeigen. Mut zum Leben. Lebensmut. Angst gebiert wissen wollen. Wissen aber ist Angst vor dem wirklichen Leben. Todesangst. Todesangst ist nicht Leben. Leben erfordert mutige Schritte mit unbekanntem Ziel. Lebensmut. Ja...

Entrechtung des Landes

Es ist noch gar nicht solange her, als sich plötzlich alles zu ändern begann. Die Bauern, hoch oben auf der Anhöhe mit Blick weit ins Land, sahen sie nicht kommen. Aber sie hörten sie. Die Maschinen aus der Stadt, die sich ins Land fraßen. In ihr Land. In ihre Weite. In ihr Verstãndnis der bäuerlichen Kultur, das sie seit Generationen ernãhrte und formte. Es sollte noch Jahre dauern, bis der Schaden, mit dem die maschinelle Verwertung der Stadt das Land ûberzog, seine ganze Macht offenbarte. Mit immer neuen Vorschriften und Neuregelungen ûberzog der stãdtische Allmachtsanspruch das bãuerliche Leben. Preise wurden diktiert. Juristische Spitzfindigkeit entwertete Jeden und Alles. Indem sie damit begannen akribisch alles nachzurechnen und jeden nach wissenschaftlich-biometrischen Parametern zu bewerten. Milchpreis. Reproduktionsrate. Flächenzahl. Steuerlast. Heute fallen die Stãdter ein wie Heuschrecken. Sie nehmen offene Grenzen nicht wahr. Alles soll ihnen dienen. Wie Diebe kommen sie s...

TK - Wendung durch Bleiben

Bleibende Lichtung durch Wendung und Lichtende Wendung durch Bleiben Hat man die Gelegenheit TK ganz als Menschen - unverhüllt und unverstellt - vor sich zu sehen, dann verwundert sie nicht, die Namensgebung seiner Bilder. Noch weniger dann, wenn man seine Bilder mit eigenen Augen sehen lernt. Zeit allerdings, die müsste man sich dafür nehmen. Bleibende Lichtung durch Wendung und Lichtende Wendung durch Bleiben. Diese Titel sind Programm im Leben des TK. Weiß er doch durch die Erfahrung seines eigenen Seins, dass Wenden allein durch Bleiben, Bleiben allein durch Wenden möglich ist. Wirksam allein in der Gleichzeitigkeit des Einen UND des Anderen , so muss man es wohl sagen. TK jedenfalls würde es so sagen, könnte man meinen. In dieser dialektischen Betrachtung wird Licht ins Bewusstsein fließen. Als Lichtung im Dunklen. Lichtende Wendung . Wie gelänge sie anders als in Bildern, durch Komposition in Farben gegossen, die das Erleben der Gleichzeitigkeit von Wenden und Bleiben i...

Heimatsuche

Wir haben uns verliebt! Über alle vier Ohren, in die wunderschöne Region Südoststeiermark! Wir, das sind meine 51 Jahre junge Frau Melitta, Psychotherapeutin, und ich, der mit 63 Jahren nur unwesentlich ältere Georg Fiala, Architekt und Mediator. Unsere berufliche Existenz haben wir uns in der Stadt ermöglicht. Und wollen jetzt die Früchte unserer Arbeit in ländlichen Gefilden genießen. Denn dort sind wir geboren. Melitta am südlichen Rand der oststeirischen Sommeralm. Ich im obersteirischen Mariazell über meine Ururgroßmutter. Heimat benötigt einen Ort zum Verweilen. Diesen hoffen wir ohne Umwege zu finden. Wenn wir von diesem Ort träumen, dann enstehen vertraute Bilder von alten Bruchsteinen. Von dunklem alten Holz. Von einem alten Kachelofen. Von Bäumen und Wiesen, die uns die Geschichte des Ortes nacherzählen. Die Ruine eines verblühten Hofes, eine halbverfallene Scheune, ein Stadl, der einst bessere Zeiten gesehen hat - all dies taucht in unseren Träumen auf. Uns zu ermahn...

Lifestyle eines Nomaden - Versuch einer Dekonstruktion

"Wenn der Vogel sein Nest verlässt, dann fliegt er; wenn der Mensch sein Zuhause verlässt, erinnert er sich",  war vor wenigen Tagen in einer Zeitung zu lesen (NZZ 27.04.2020 - Nikola Madzirov).  Diese  schöne Anapher   steht keineswegs im Widerspruch zur eher werbenden Anaphorik eines Möbelhauses; "Wohnst Du noch, oder lebst Du schon ". Weil in beidem zeigt die Vielfalt im Wesen unserer Lebensform. Menschen leben in städtischen Kulturen seit über 4.000 Jahren und benötigen existentiell wie essentiell Sicherheit in ihrer Versorgung aus regelmäßigen Erträgen der fruchtbaren Felder bäuerlicher Kultur. In unserer Zeit könnte längst - so scheint es zumindest mit den Möglichkeiten moderner, technisierter Kulturen - dieses Streben nach Sicherheit in den Hintergrund getreten sein. Exakt das Gegenteil ist der Fall. Sicherheit droht sich zum absoluten Diktum aufzuwerten. Ist das nicht paradox? Keineswegs, sind doch die uns bestimmenden Narrative ebenso alt wie die...

Den Blitz geschaut

"Das Leben lebt, wir sind mal unten, mal sind wir oben". In diesen kurzen Worten im Gebet von Sören Callsen findet sich alle Wahrheit. Ein Leben ist geschaffen für Höhen und Tiefen. Der Einfluss darauf unverfügbar. Jedoch besitzen wir die Freiheit der Modulation. Daher gibt es Leben, das nach Punk klingt, nach Rock , nach Swing , nach Blues . Oder eben nach lieblichen Kantaten  oder  geistlichen Tönen . Mehr gibt es dazu kaum zu sagen. Jedoch: die Differenz liegt in der Erkenntnis. Die kommt bisweilen wie ein Blitz daher. Bildhaft bei  Zeus , dem Gott des Blitzes, ebenso wie bei  Thor , oder vergeistigt als Tetragram יהוה . Und so traf mich der Blitz der Erkenntnis vor wenigen Tagen. Mein Vater(Gott) sandte diesen Blitz. Überraschenderweise hatte dieser Blitz nichts Strafendes an sich. Er roch eher nach Bedürftigkeit von Seiten des Senders. Ich als Empfänger vermochte nach kurzer Blendung, in denen ich nichts sah, ausser für einen winzigen Moment tief i...

Die Entscheidung. Wird sie uns treffen, oder wollen wir sie (gemeinsam) treffen? - Ein Tagebuch

Melite! o Melite!, himmlisches Wesen! beschwor einst der zeitlose Hölderlin seine Muse und sinnierte über das Licht des Südens. Freiheit, die er im Unerreichbaren suchte.  So blieb er, der das Leben nicht, wenn nicht in absoluter Freiheit träumen wollte, in seinem Dichterturm gefangen. Immerhin sah er ins Antlitz des tragischen Scheiterns und dichtete darob in lyrischer Hoffnung: "Wo aber die Gefahr ist, wächst / das Rettende auch". Er blieb Gefangener der eigenen Seele. Gleich wie wir alle, ein jeder auf die ihm zugedachte Weise. Hoffnung jedoch gibt es allein im Handeln, wandelnd und träumend im Turm. Bloßes Tun ohne Wandlung? Ohne die Hoffnung auf Erlösung vom Immergleichen? Nachdem der olympische Wettkampf den verdienten Sieger mit Lorbeer bekränzt, müssen sich die Verlierer neuerlich für kommende Wettkämpfe rüsten. Oder den Ort der Schande verlassen. Jetzt, meine geliebte Melite, in der Nacht, nach dem Tag der Entscheidung im Wettkampf der Generati...

Eine kurze Geschichte von der Trauer zum Geschenk

Es gibt sie. Die Trauer, die mich, seit ich bin, überfällt. Oft aus dem Nichts. Sie ist mein frühester Begleiter. Und kam zu mir noch vor der ersten Erinnerung. Nie konnte ich sie fassen. Ich hatte zwar viele Vorstellungen von ihr. Keine davon traf aber wirklich zu.  Lag es daran, dass sie kein Gesicht hatte? Es muss wohl so sein. Denn, nach vielen Jahren schenkte sie mir einen Sohn. Er war es, der meiner Trauer ein Gesicht gab. Seitdem wandelt sich die Trauer. Sie lässt mir, seitdem sie sich zu erkennen gab, Handlungsspiel. Es sind heute Handlungen, die aus dem lebenden Gesicht der Trauer hervorgehen, mit denen ich anderen Seelen, die ebenfalls trauern, neue Hoffnung schenken kann.  Ich kann ihnen dabei helfen, dass sie das Gesicht ihrer Trauer erkennen lernen. So kann ich mich doch noch glücklich schätzen. Ich wurde zur Priesterin der Trauer. Und kenne ihren Tempel, an dem meine Gebete erhört werden. Dieser Tempel findet sich im süßen Angesicht meines Sohnes, dessen wilde un...